Gegen Rassismus und Whitesplaining an der Uni Leipzig!

4.12.2019/ 20Uhr/ Café Alibi (in der Bibliothek Albertina)

+++English version below+++

Trotz Kritik, lädt der Thomasius-Club Ulrich van der Heyden ins Café Alibi in der Universität Leipzig zum Thema „Mosambik in der DDR“ ein. Im Ankündigungstext wird beschrieben, dass er „ein bislang wenig bekanntes Kapitel der DDR-Geschichte“ rekonstruiert und „schiefe Bilder von afrikanischen Arbeitskräften im Osten Deutschlands korrigieren“ möchte. Van der Heyden ist in der Vergangenheit u. a. durch seine Texte in Magazinen der Neuen Rechte, wie bspw. Tumult, sowie Äußerungen, die Rassismus in der DDR leugnen und verharmlosen, aufgefallen. Die versprochene „Korrektur“ der Bilder von Vertragsarbeiter*innen im Rahmen seines Vortrags wird daher vermutlich Rassismus leugnen, verharmlosen und umdeuten. Im Folgenden einige Beispiele:

Er glorifiziert in seinen Publikationen nicht nur die internationale DDR-Politik, sondern verherrlicht auch das ausbeuterische System der Vertragsarbeit als ein „in der Weltgeschichte wohl einmaliges Arbeits-migrationsprojekt“[1]. Er malt in seinen Texten ein Bild, das Rassismus und Neonazismus in Ostdeutschland lediglich als ein westdeutsches Importprodukt der 1990er Jahre betrachtet. Dadurch verharmlost er Rassismus in der DDR und blockiert eine Aufarbeitung dessen. Im Rechtsstreit mit dem Diplompolitologen Yonas Endrias, 2004, zeigte Van der Heyden sein rassistisch geprägtes Weltbild sowie sein Verständnis weißer Hegemonie in der Wissenschaft [2].

Van der Heyden bestreitet den mutmaßlich rassistisch-motivierten Mord an Antonio Manuel Diogo. Er tut diesen als „Unfalltod eines alkoholisierten Migranten“[3] ab. Einem guten Freund, des 1986 bei Borne ermordeten mosambikanischen Vertragsarbeiters, unterstellt er eine „erfundene Story“ zu verbreiten, obwohl sich dieser sehr genau auf Hinweise an einen rassistischen Mord durch Neonazis erinnern kann. Er prangert die fehlende Beweislage an und stützt sich in seiner Argumentation allein auf Ermittlungsakten der damaligen Volkspolizei. Er nimmt damit der Perspektive von Betroffenen und Freund*innen jede Berechtigung und stellt diese als emotional und unglaubwürdig dar. Stattdessen sorgt er sich um das Ansehen der „professionellen DDR-Ermittler“ [4]. Journalist*innen, die versuchen den Mord aufzuklären, wirft er vor, „ihren ideologischen Vorurteilen gegenüber der ostdeutschen Vergangenheit“(ebd) zu unterliegen. Seinen Unmut darüber veröffentlicht er dabei nicht nur im ‚Neuen Deutschland‘, sondern auch in strammen neu-rechten Blättern wie dem Tumult. Die AfD verteidigt er als „überraschende, ostdeutsche Protestbewegung“[5] und bedient hier einen Opfer-Mythos extrem rechter und rassistischer Akteur*innen.

Van der Heyden arbeitet somit beispielhaft gegen eine gesellschaftliche Aufarbeitung und Anerkennung der marginalisierten Position von Vertragsarbeiter*innen und von Rassismus in der DDR, sowie dessen Kontinuitäten. Darum sollte ihm kein Podium geboten werden! Wer sich wirklich für die Geschichte von Vertragsarbeiter*innen in der DDR interessiert, welche tatsächlich ein zu wenige bekannte Lebensrealität in der DDR ist, sollte lieber auf diverse Quellen und Perspektiven zurückgreifen (z.B. bruderland.de).

Rassismus und weiße Hegemonie benennen und bekämpfen!

Initiative 12.August, Leipzig Postkolonial

[1] https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-22037 [2] http://fsiosi.blogsport.de/images /WieweiistderElfenbeinturm.pdf [3] https://www.tumult-magazine.net/post/ulrich-van-der-heyden-mit-fake-news-gegen-rechtspopulismus [4] https://www.neues-deutschland.de/artikel/1127551.ein-mord-der keiner-war.html [5] https://explizit.net/politik/artikel/eine-streitschrift-fuer-den-osten/

+++English version+++

Against racism and whitesplaining in the university!

Don’t offer a platform to Racist scientists!

Dez 04, 2019/ 8pm/ Café Alibi (in the library Albertina)

Despite criticism, the Thomasius Club invites Ulrich van der Heyden to the Alibi Café of the University of Leipzig to the topic „Mozambique in the GDR“. The announcement text describes that he is reconstructing „a little-known chapter in GDR history“ and wants to „correct distorted images of African workers in eastern Germany“. Van der Heyden has attracted attention in the past, among other things, through his texts in New Right magazines, such as Tumult, as well as statements that deny and trivialize racism in the GDR. The promised „correction“ of the images of contract workers will therefore probably deny, trivialize and reinterpret racism. Here are a few examples:

In his publications, he not only glorifies international GDR politics, but also the exploitative system of contract labor as a „labor migration project probably unique in world history“[1]. In his texts he paints a picture that regards racism and neo-Nazism in East Germany merely as a West German imported product of the 1990s. In doing so, he plays down racism in the GDR and blocks a reappraisal of it. In the legal dispute with the diplom politologist Yonas Endrias, 2004, Van der Heyden showed his racist world view as well as his understanding of white hegemony in science [2].

Van der Heyden denies the alleged racist-motivated murder of Antonio Manuel Diogo. He dismissed it as the „accidental death of an alcoholized migrant“[3]. He accuses a good friend of Diogo, the Mozambican contract worker murdered in Borne in 1986, of spreading an „invented story“, even though he can very accurately remember references to a racist murder by neo-Nazis. He denounces the lack of evidence and bases his argument solely on investigation files of the then People’s Police. He thus takes every justification from the perspective of those affected and friends and presents them as emotional and untrustworthy. Instead, he worries about the reputation of the „professional GDR investigators“ [4]. Journalists who try to solve the murder are accused by him of being „subservient to their ideological prejudices against the East German past“ (ibid.). He publishes his displeasure about this not only in the magazine ‚Neues Deutschland‘, but also in new-right newspapers like the Tumult. The AfD defends him as a „surprising East German protest movement“[5] and here serves a victim myth of right-wing extremists and racist actors.

Van der Heyden thus works exemplarily against a lack of social reappraisal and recognition of the marginalized position of contract workers and racism in the GDR and its continuities. Therefore, he should not be offered a platform to spread his euphemistic theories. Those who are really interested in the history of contract workers in the GDR, which is in fact too little known life reality in the GDR, should rather refer to various sources and perspectives (e.g. bruderland.de).

Fight racism! Fight white hegemony!

Initiative 12.August (initiative12august.de) & Leipzig Postkolonial (leipzig-postkolonial.de)

[1] https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-22037 [2]http://fsiosi.blogsport.de/images/WieweiistderElfenbeinturm.pdf [3]https://www.tumult-magazine.net/post/ulrich-van-der-heyden-mit-fake-news-gegen-rechtspopulismus [4]https://www.neues-deutschland.de/artikel/1127551.ein-mord-der keiner-war.html [5] https://explizit.net/politik/artikel/eine-streitschrift-fuer-den-osten/

Foto: Fred Romero from Paris, France [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)]

12.08. antirassistische Demonstration und Gedenkveranstaltung

Gemeinsame Anreise
aus Leipzig: 15:50 Uhr Treffpunkt am Lindenauer Markt (Abfahrt 16:15 Uhr mit dem Bus 131)
aus Halle: 16:45 Uhr Treffpunkt Hauptbahnhof (Abfahrt 17:07 Uhr mit dem RE18)

40 Jahre seit dem gewaltvollen Tod von Delfin Guerra und Raúl Garcia Paret.

Wir demonstrieren gegen Rassismus und für das Erinnern!
12. August 1979

Raúl García Paret und Delfin Guerra kamen als Vertragsarbeiter aus Kuba in die DDR und lebten und arbeiteten in Merseburg. Aufgrund rassistischer Angriffe am Vortag, setzten sich mehrere kubanische Vertragsarbeiter am 12. August in einer Diskothek zur Wehr, woraufhin sie von einem rassistischen Mob durch die Stadt gejagt wurden. Als ihnen der Weg auf einer Brücke versperrt wird, sahen sie keinen anderen Ausweg, als in die Saale zu springen. Die Angreifenden warfen mit Flaschen und Steinen nach ihnen und trafen. Raúl García Paret und Delfin Guerra starben im Alter von 21 und 18 Jahren.
In diesem Jahr jährt sich ihr Todestag zum 40. Mal. Die Tat scheint längst vergessen in der Stadt. Die Todesumstände wurden bis heute nicht ausreichend ermittelt und keine Täter*innen zur Verantwortung gezogen.

Das Problem heißt Rassismus…

2019 ist auch das Jahr des 30. Jubiläums des Mauerfalls und des sich damit abzeichnenden Endes der DDR. Es ist das Jahr des offiziellen Erinnerns an die sogeannte „Friedlichen Revolution“ und des Wegs zur deutsch-deutschen Wiedervereinigung.
Ein Teil dieser Geschichte findet im aktuellen Erinnern jedoch kaum Beachtung: das Wirken und die Erfahrungen ehemaliger Vertragsarbeiter*innen. Man reduzierte sie auf ihre Arbeitskraft, isolierte sie von der DDR-Gesellschaft, reglementierte ihr Privatleben und förderte Ausgrenzung und Rassismus. Deswegen setzen wir uns dafür eine die Geschichte umfassend aufzuarbeiten und daraus für die Gegenwart zu lernen.
Wie wollen uns in der Stadt Merseburg für eine würdevolle Erinnerungskultur einsetzen.

Kommt mit uns am 12.August 2019, am 40. Todestag von Delfin Guerra und Raúl Garcia Paret auf die Straße um gemeinsam zu demonstrieren und zu gedenken. Wir wollen das Schweigen durchbrechen und Rassismus als solchen benennen! Wir fordern die juristische Aufarbeitung der Todesfälle in Merseburg am 12. August 1979 und aller weiteren rassistischen Morde in der DDR und zur Wendezeit!

Gemeinsam gegen jeden Rassismus – damals wie heute!
Für die Aufklärung der Todesumstände sowie ein würdiges Erinnern!
Niemand wird vergessen! Nunca les olvidaremos!
Mehr Infos dazu: www.initiative12august.de

Pasados 40 años desde la muerte violenta de Delfín Guerra y Raúl García Paret,

nos manifestamos contra el racismo y por la conmemoración
12 de agosto de 1979

Raúl García Paret y Delfín Guerra habían venido de Cuba a la antigua R.D.A. como trabajadores contratados por tiempo determinado, vivían y trabjaban en la ciudad de Merseburgo. Por agresiones racistas que habían sufrido el día anterior, el día 12 de agosto, varios trabjadores cubanos se defendieron contra estas agresiones en una discoteca. En consecuencia, ellos fueron perseguidos por una turba racista por la ciudad. Cuando les bloquearon el paso encima de un puente, no vieron otra salida que saltar al río Saale. Los agresores tiraron botellas y piedras hacia ellos y les alcanzaron. Raúl García Paret y Delfín Guerra murieron a la edad de 21 y 18 años respectivamente. Este año conmemoramos el 40 aniversario de su muerte. No obstante, parece que la ciudad y sus ciudadanos se les han olvidado de estos hechos. Las circunstancias que causaron su muerte hasta hoy no se han esclarecido y ninguno de los autores tuvo que responsabilizarse.

El problema sí se llama racismo…

En el año 2019, se celebra también el 30 aniversario de la caída del Muro y del comienzo de la desaparición de la R.D.A. Es el año de actos conmemorativos oficiales de la llamada Revolución pacífica o cambios políticos en la antigua R.D.A. y del inicio del proceso de la reunificación de la antigua R.D.A. y R.F.A. Sin embargo, en la actual conmemoración una parte del pasado apenas se ve reflejada: el trabajo y la experiencia de los ex-trabajadores contratados por tiempo determinado. Reducidos solamente a su mano de obra, vivían aislados de la sociedad de la antigua R.D.A. regulando estrictamente su vida privada y promoviendo así su marginación y el racismo. Por eso, intervenimos a favor de superar completamente el pasado aprendiendo para la actualidad. Abogamos por una cultura conmemorativa digna de la ciudad de Merseburgo.
Echémonos juntos a la calle el día 12 de agosto de 2019 para manifestarnos y recordar al 40 aniversario de la muerte de Delfín Guerra y Raúl García Paret. ¡Queremos romper el silencio y nombrar racismo lo que es – racismo! ¡Reivindicamos el esclarecimiento judicial de las muertes ocurridas el 12 de agosto de 1979 en Merseburgo y de todos los asesinatos racistas cometidos en la antigua R.D.A. y durante los cambios políticos!

¡Juntos contra el racismo – hoy como en el pasado!
Por el esclarecimiento de las circunstancias de la muerte y una conmemoración digna!
¡Nunca les olvidaremos! Niemand wird vergessen!
Por más informacón consultar: www.initiative12august.de

Reader zur thematischen Fahrradtour am 11.08.

Zur Situation von Vertragsarbeiter*innen in der DDR

Am 11. August wird es eine Fahrradtour von Leipzig nach Merseburg geben. In mehreren Stationen der Radtourwerden wir uns thematisch mit der Situation von Vertragsarbeiter*innen währendder DDR und nach der Wende
beschäftigen. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf der
besonders marginalisierten Postion von Vertragsarbeiter*innen in der DDR-Gesellschaft, sowie den alltäglichenund
strukturellenDiskriminierungen und der rassistischer Gewalt, der sie ausgesetzt waren.

Die Fahrradtour findet anlässlich dess 40. Todestags von Raul Garcia Paret und Delfin Guerra f am 12. Augus1979 statt. Am 12.August dieses Jahr findent deshalbab 17.30Uhr eine Demonstration und anschließend eine Gedenkveranstaltung in Merseburg statt. Mehr Infos findet ihr unter: initiative12august.de
Für alle, die am 11. August keine Zeit haben, kann der 12. August eine gute Alternative oder eine Ergänzung sein.

Die beiden kubanischen Vertragsarbeiter Delfín Guerra & Raul Garcia Paret wurden am 12. August 1979 in Merseburg von einem Mob gejagt und getötet. Noch immer sind die Umstände ihres Todes, die Hintergründe und Verantwortlichen nicht ermittelt.

Raúl García Paret und Delfin Guerra kamen als Vertragsarbeiter aus Kuba in die DDR. Sielebten und arbeiteten in Merseburg. Aufgrund rassistischer Angriffe an denVortagen, setzten sich mehrere kubanische Vertragsarbeiter am 12. August in einer Diskothek zur Wehr. Daraufhin wurden sie von einem rassistischen Mob durch die Stadt gejagt und in die Saale getrieben.)Die Angreifenden warfen mit Flaschen und Steinen nach ihnen und trafen.Mehr als 200 Personen standen dabei am Rand der Saale.Raúl García Paret und Delfin Guerra starben im Alter von 21 und 18 Jahren.

In Merseburg werden wir uns über die Geschichte von Delfín Guerra & Raul
Garcia Paret und über die Forderungen der Initiative informieren.

*Was: Fahrradtour nach Merseburg
*Wann: 11. August 13-17 Uhr
*Wie: Wir treffen uns um 13 Uhr am Naturkundemuseum und fahren an der Luppe entlang nach Merseburg. Die Radtour dauert ca. 4h. In Merseburg endet die Tour. Eine gemeinsame Abreise wird mit dem Fahrrad nach Bad Dürrenberg und von dort mit der S-Bahn nach Leipzig Hbf gehen.
*Was mitbringen? Fahrrad (lieber kein Rennrad), Essen und was zu trinken, Stift und Papier, Sonnencreme, Fahrticket (falls ihr eins
habt), zur Abkühlung was zum Baden benötigt wird.

Bei Fragen meldet euch bei: mythos89-leipzig@naturfreundejugend.de

Den Reader findet ihr hier:

Redebeitrag der Initiative 12. August zum Gedenken an Alberto Adriano in Dessau am 11.06.2019

Vielen Dank für die Einladung.

Sehr geehrte Staatssekretärin Susi Möbbeck, Bürgermeisterin Sabrina Nußbeck, Verehrte Mitwirkende, Gäste und Freund*innen, wir gedenken heute an dieser Stelle im dessauer Stadtpark Alberto Adriano.

In der Nacht zum 11. Juni 2000 fiel Alberto Adriano einem brutalen, rassistischen Angriff durch Skinheads zum Opfer und kam nach 3tägigem Koma ums Leben. Herr Adriano lebte seit 1988 in der DDR und kam wie viele andere Menschen aus einem der sogenannten sozialistischen „Bruderländer“, aus Mosambique. Vertragsarbeiter*innen wie er hatte die DDR, aufgrund von Arbeitskräftemangel angeworben. Viele Vertragsarbeitende wurden also eingeladen mit dem Versprechen sich beruflich weiter entwickeln zu können. Für Viele war die DDR das fortschrittlichste sozialistische Land.

Doch ihre tatsächlichen Erfahrungen in der DDR waren häufig mit Isolation von der deutschen Mehrheitsgesellschaft, mit körperlich schwerer Arbeit und alltäglichem Rassismus verbunden. So berichtet Marcelo Figueroa, ehemaliger Vertragsarbeitender in Merseburg, von rassistischen Ressentiments und Beleidigungen in der DDR.

Paulino Miguel, damals mosambikanischer Vertragsarbeiter spricht von „einer doppelten Mauer“. So nahmen die Vertragsarbeitenden die DDR wahr. „Zum einen wegen der undurchlässigen Grenze nach Westen, zum anderen wegen der Abschottung von derDDR-Gesellschaft im Inneren.“

Keiner kann sagen, daß es den sogenannten „antifaschistischen Schutzwall“ wirklich gegeben hätte. Es wurden in der DDR jüdische Friedhöfe geschändet, Wohnungslose kriminalisiert und die formale Solidarität mit den Kolleg*innen der sozialistischen Länder wurde eher selten tatsächlich gelebt.

Alberto Adriano war nicht der einzige Vertragsarbeiter, der aus rassistischen Motiven ermordert wurde.

Ich möchte Ihnen gern einzelne Menschen und ihre Geschichte vorstellen. :

Manuel Diogo

wurde im Zug von Belzig nach Borne am 30. Juni 1986 brutalst ermordert. Der damals 23 jährige mosambikanische Vertragsarbeiter wurde durch die Tat so stark verletzt und zerstückelt, daß die Behörden die Angehörigen anwiesen, den Sarg nicht zu öffnen.

Carlos Conceicao

wurde von mehreren Rassisten über ein Brückengeländer in die Bode gestoßen. Der damals 18 jährige mosambikanische Lehrling starb daraufhin am 19. Sptember 1987 in Staßfurt.

Delfin Guerra und Raul Garcia Paret

wurden von einem Mob bestehend aus 30 bis 40 Deutschen durch Merseburg gejagt und rassistisch beschimpft. Auf ihrer Flucht waren sie gezwungen in die Saale zu springen und wurden anschließend mit Ziegelsteinen und Flaschen beschmissen. Die damals 19 und 21jährigen Vertragsarbeiter aus Kuba starben am 12. August 1979 in der Saale. Ihre Todesursache konnte die Gerichtsmedizinerin nicht vollständig ermitteln, weil die Behörden die Opfer erst nach 3 Tagen aus der Saale holten.

Einzelne Täter*innen äußerten sich öffentlich und stehen auch heute noch zu diesem menschenfeindlichen Gewaltausbruch und ihren Motiven.

Die Staatsanwaltschaft Halle lehnte jedoch 2016 die Wiederaufnahme der Ermittlungen ab.

Bei all diesen Fällen wurden die Ermittlungsverfahren innerhalb kürzester Zeit eingestellt oder abgeschlossen; eine vollständige juristische Aufarbeitung und strafrechtliche Maßnahmen stehen bis heute aus. In den meisten der Fälle wurden die Angehörigen über die tatsächlichen Todesursachen getäuscht.

Bis heute existiert kein Gedenkort oder eine etablierte Erinnerungskultur.  

Auch heute gibt es neue nicht vollständig aufgeklärte Fälle, bei denen rassistische Motive bewiesen oder stark vermutet werden. Darunter befinden sich alle Opfer des NSU; Menschen, die in deutschen Institutionen, wie in der dessauer Gewahrsamzelle oder in der Psychatrie in Hamburg, gestorben sind.

Oury Jalloh, Achidi John, Tonou – Mbobda.

Das was Euch passiert ist, werden und können wir nicht vergessen.

Wir können leider nicht sagen, daß der Antirassismus gewonnen hätte und der Faschismus aufgearbeitet wäre. In der Beständigkeit dessen müßen wir die rassistischen Morde zur Zeit der DDR, der  Wendezeit, 2000 und auch heute einordnen.

Die Menschen, die rassistische, rechte Gewalt erleben, müßen damals wie heute Kriminalisierung über sich ergehen lassen. Wenn sie Rassismus als Täterinnen- Motivation benennen, wird ihnen oft nicht geglaubt und Übertreibung vorgeworfen. Oder sie werden erneut diskriminiert, indem ihre Erfahrungen entpolitisiert werden.

Das Relativieren rechter und rassistischer Gewalt durch Staatsanwaltschaften, Behörden und Regierung hat Geschichte.

Das zeigen beispielsweise die Behandlung seitens der Geheimdienste der DDR und BRD von den Opfern und Angehörigen. Um nur ein Beispiel von vielen zu nennen.: Die Angriffe auf Nicht-weiße DDR Bürger*nnen wurden in der DDR als „Rowdytum“ bagatellisiert oder die Schuldfrage wurde direkt umgekehrt.

Rassismus und Menschenfeindlichkeit sind nicht ausschließlich die Taten und Ideologien einzelner Menschen und Gruppen, sondern werden von Institutionen sowie durch Gesetze mitgetragen, ermöglicht und legitimiert.

Nicht ausschließlich einzelne Angriffe auf People of Colour sind für uns alle gefährlich, sondern auch jeder diskriminierende Umgang seitens der Behörden mit People of Colour und Migrant*innen.

Sei es im Falle eines Angriffes oder in der täglichen Asylbehördenpraxis beim Einteilen der immigrierenden Menschen in gute und schlechte Bleibesperspektive.

Auch das bedeutet eine Gefahr für eine offene und demokratische Gesellschaft.

Warum ist das Gedenken heute so wichtig?!

Es ist wichtig , weil wir damit das Narrativ verschieben, hin zu den Menschen, die Diskriminierungen erleben. Die Definitionsmacht von rassistischer Gewalt muß denen gehören, die davon (potenziell) betroffen sind. Wie Ibrahim Arslan, Überlebender des Brandanschlages in Mölln sagt:  „Opfer und Überlebende sind die Hauptzeugen des Geschehen, keine Statisten.“ Gedenkorte und Erinnerungskultur können keine Gerechtigkeit wieder herstellen.

Was sie können ist eine andere Geschichte erzählen. Ein Narrativ herstellen, daß für Empathie und Zuhören in der weißen, priviligierten Gesellschaft sensibilisiert.

Sie ist ein warnendes Signal und politische Handlung zugleich.

Vor allem aber darf Gedenken keine Imagepflege sein, nichts womit wir uns schmücken sollten, nichts womit es genug ist, sondern Gedenken ist stets unsere Verantwortung. Der Verantwortung Rassismus keinen Raum zu geben.

Das Gedenken an Alberto Adriano steht beispielhaft für diese Chance und Hoffnung.

Wir, als Initiative 12. August sagen:

Manuel Diogo, Carlos Conceicao, Delfin Guerra, Raul Paret, Oury Jalloh und Alberto Adriano.

Nunca les olvidaremos!

Wir werden Euch nie vergessen!

Vielen Dank!

Gedenkort für 1979 getötete kubanische Gastarbeiter in Merseburg gefordert

Delfin Guerra und Raúl Garcia Paret wurden 1979 von einem Mob in Merseburg zu Tode getrieben. Die genauen Todesumstände sind bis heute jedoch ungeklärt: Es ist unklar, wer ihre Verfolger*innen waren und mit welcher Motivation sie zu Tode getrieben oder ermordet wurden. Bisherige Recherchen lassen auf eine rassistisch motivierte Tat schließen. Nun fordert eine Initiative einen Gedenkort zu errichten. Radio Corax sprach mit zwei Vertreterinnen der Initiative „12. August – In Gedenken an Delfin Guerra und Raúl Garcia Paret“.