Stellungnahme zum Artikel „Kubanische Familie wehrt sich gegen Veranstaltungen und TV-Berichte“ der Mitteldeutschen Zeitung vom 10.August 2022

Stellungnahme zum Artikel „Kubanische Familie wehrt sich gegen Veranstaltungen und TV-Berichte“ der Mitteldeutschen Zeitung vom 10.August 2022

Merseburg, den 12. August 2022

Am Mittwoch, den 10. August 2022, wurde von der Mitteldeutschen Zeitung (MZ) ein Artikel über eine Unterlassungsaufforderung seitens der Familie Paret aus Kuba veröffentlicht. Diese Unterlassungsaufforderung wurde auch der Initiative 12. August wenige Tage vor dem heutigen Gedenken an Raúl G. Paret und Delfin Guerra per Email zugesendet. Wir nehmen die darin enthaltenen Aufforderungen sehr ernst. Jedoch entstehen durch das Dokument, welches uns nicht von der Familie selbst übersendet wurde, viele Fragen und Zweifel.

Aufgrund des MZ-Artikels und der Reaktionen darauf wollen wir an dieser Stelle ein kurzes Statement abgeben.

Neben der eher ungewöhnlichen Form der Unterlassungsaufforderung und ihrer Datierung auf Januar 2022 verwunderte uns besonders die späte Zustellung über eine dritte Person. In der Vergangenheit hatte die Initiative guten, persönlichen Kontakt zu der Familie Paret, so dass sie uns den Wunsch, das Gedenken zu unterlassen, jederzeit persönlich übermitteln hätte können. In den letzten Jahren fand das Gedenken immer in Absprache mit der Familie statt. Noch im August 2020 hat die Familie Paret der Initiative einen Brief mit der ausdrücklichen Bitte gesendet, das Gedenken weiterzuführen.

Für die Initiative bleiben die Bedürfnisse der Angehörigen zentral. Wir stellen uns daher vehement gegen jede Instrumentalisierung der Familie für eigene Interessen oder politische Haltungen. Für die Initiative bleiben gleichzeitig die gesellschaftlichen Umstände zentral, durch welche es zu dieser Tat im August 1979 in Merseburg kommen konnte. Darum ist ein Schwerpunkt der Arbeit der Initiative auch immer, Rassismus und dessen Kontinuitäten zu thematisieren.

Nachdem wir zu Beginn unserer Arbeit keinen Kontakt zu der Familie von Delfin Guerra in Kuba hatten, konnten wir diesen aufbauen und stehen seit Ende letzten Jahres in persönlichem und engem Kontakt mit ihr. Auch sie äußert uns gegenüber einen ausdrücklichen Wunsch, das Gedenken an ihren verstorbenen Bruder und Onkel mitzugestalten. Wir haben in den vergangenen acht Monaten intensiv versucht, Mitgliedern der Familie eine Reise nach Merseburg zu ermöglichen. Leider hat die deutsche Botschaft in Havanna die Visaerteilung abgelehnt. Das geplante Gedenken für den 12. August dieses Jahres nun wegen der Unterlassungsaufforderung abzusagen, hieße auch die Familie von Delfin Guerra im Stich zu lassen.

Wir werden den Hintergründen der Unterlassungsaufforderung sorgfältig nachgehen und die Wünsche der Familien Paret und Guerra bzgl. des Gedenkens respektieren. Um dies zu klären, benötigen wir allerdings Zeit.

Wir hoffen für das heutige Gedenken auf eine zahlreiche Teilnahme.

Initiative 12. August

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